Kurz gesagt
Unser Gedächtnis ist kein Archiv, sondern ein kreativer Prozess: Es vergisst, verdichtet, verzerrt – und baut aus Fragmenten eine stimmige Geschichte. Genau diese Schönheit und Fragilität ist der Kern meiner Serie „Memory Falsification“.
Erinnerung ist kein Speicher
In meiner Kunstreihe „Memory Falsification“ tauche ich in einen Bereich ein, der wissenschaftliche Erkenntnis und persönliche Erfahrung auf eine stille Weise verbindet: Erinnerung.
Je mehr ich mich damit beschäftige, desto klarer wird: Wir erinnern nicht einfach „das, was war“. Wir erinnern das, was unser Gehirn daraus macht.
Was wir vergessen, formt uns genauso wie das, was bleibt
Gedächtnisforschung zeigt, wie schnell Inhalte verblassen, wenn sie nicht wiederholt oder aktiv verankert werden. Erinnerung ist flüchtig – und trotzdem fühlt sie sich oft absolut an.
Diese Spannung interessiert mich: Vergänglichkeit auf der einen Seite, Überzeugung auf der anderen.
In meinen Arbeiten übersetze ich das in Schichten: Stellen, die klar sind – und andere, die sich entziehen, überlagern, verschwimmen.
Emotion macht Spuren
Es gibt Momente, die bleiben, als wären sie eingebrannt: Gerüche, Orte, Sätze, Blicke. Emotion kann Erinnerung verdichten und verstärken – manchmal schön, manchmal schmerzhaft.
Ich arbeite dann mit intensiven Farben, Kontrasten und dynamischen Strukturen, um genau diese „geladenen“ Erinnerungen sichtbar zu machen: nicht als Illustration, sondern als Gefühl von Tiefe und Druck.
Erinnerung lässt sich beeinflussen
Ein besonders faszinierender Punkt: Erinnerung ist formbar. Sie kann durch Sprache, Erwartungen oder spätere Informationen verändert werden – und plötzlich wird aus einem Erlebnis eine andere Version desselben Ereignisses.
Diese Fragilität spiegelt sich in überlappenden Formen, „verschobenen“ Details und unscharfen Übergängen: als Bild für die Grenze zwischen Realität und Rekonstruktion.
Worum es mir in „Memory Falsification“ geht
Diese Serie ist eine visuelle Erkundung darüber,
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wie Erinnerung entsteht,
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wie sie uns im Stich lässt,
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wie sie sich verwandelt,
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und wie sie Identität formt.
Ich lade dich ein, Erinnerung nicht als Fehler zu sehen, sondern als menschliche Eigenschaft: eine Mischung aus Fakten, Gefühl und der stillen Fähigkeit zur Neuerfindung.
Warum in dieser Serie nur Frauen?
In „Memory Falsification“ sind Frauen die Hauptfiguren – bewusst.
Ein Teil dieser Entscheidung ist künstlerisch: Ich wollte weibliche Präsenz nicht als Rolle, sondern als Trägerin von innerer Komplexität zeigen.
Ein anderer Teil ist Reaktion: KI-Systeme und ihre Bildwelten spiegeln (gerade in älteren Trainingsständen) häufig gesellschaftliche Schieflagen und stereotype Muster. Meine Serie setzt dem etwas entgegen: eine klare, konsequente Perspektive, die Stärke, Tiefe und Vielschichtigkeit weiblicher Erzählungen sichtbar macht.
Damit wir uns später erinnern können, dass wir es anders erzählen wollten.
Quellen
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Hermann Ebbinghaus (1885): Über das Gedächtnis
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James L. McGaugh (2000): Memory – a century of consolidation
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Elizabeth F. Loftus & John C. Palmer (1974): Reconstruction of automobile destruction…